Felix Leopold: Ein Deutscher Botschafter der Griechischen Musik

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Als ich das Programm erstmals nachsah, wusste ich dass es zumindest ein guter Grund gab, das Wort zu verbreiten. Die erste Verlockung war Köln –ein Zwischenstopp in seiner  Tour und das sollte irgendwie-bestimmt erwähnt werden. Dann bildete jede einzelne Zeile ein klares Bild zusammen. Mann liebt Frau (Anastasia Kalaitzopolou, Sängerin), liebt ihr Land, ihre Kultur und einzieht. Ein Klischee kann es sein, aber diesmal sehr melodisch. Felix Leopold verliebte sich in Griechenland, gründete seine Band “Parea“  und widmete sich der Musik.

Felix Leopold

2009 kommt er auf die Idee, griechische Liederlyrik dem deutschen Publikum zugänglich zu machen und Lieder griechischer Poeten ins Deutsche zu übertragen. Daraus ist sein Solo-Projekt „Liederlyrik in zwei Sprachen“ entstanden, mit dem er seit 2010 jedes Frühjahr in Deutschland und auch in Österreich auf Tour geht. In seiner stetig wachsenden Liste übersetzter Lieder stehen inzwischen solch namhafte Poeten wie Kostas Varnalis, Manos Eleftheriou, Nikos Gatsos, Giorgos Seferis, Lefteris Papadopoulos, Lina Nikolakopoulou, Nikolas Asimos und natürlich Nikos Kavvadias, dessen gesammelte Gedichte er 2016 beginnt, ins Deutsche zu übersetzen.

In einem meiner Lieder stelle ich mir die Frage „wie konnt’ ich ohne Meer leben?“ und beantworte mir diese mit „ich weiß es schlicht nicht mehr“». Aufgewachsen in einer Stadt, die in einer von Hügeln eingerahmten Mulde liegt, musste er als Kind schon auf die höchste Erhebung steigen, einem etwas über 400 Meter hohen Kriegstrümmerberg, um eine Vorstellung von dem Begriff „Horizont“ zu bekommen. «Ich war sehr oft dort oben und musste jedes Mal eine richtige Wanderung unternehmen, um das zu genießen, was im Leben mit dem Meer Alltag ist – der weite und offene Blick. Dennoch ist der Blick über eine schön aufgeräumte Industriemetropole ein anderer als der auf diese Naturgewalt „Meer“ hinaus. In jeglicher Form, ob still wie sich leicht wölbendes Glas oder als Sturmmasse, beweist das Meer uns Menschen, dass „Kontrolle“ nichts als eine romantische Illusion ist. Der Blick auf das Meer ist auch ein Blick auf die Kleinheit des Menschen und auf sein Ausgeliefertsein. Wie klar uns ein Ziel auch erscheinen mag, führt der Weg zu ihm übers Meer, erinnert uns allein schon der permanente

Felix Leopold

Horizont an die allgegenwärtige Ungewissheit und daran, dass Demut die Voraussetzung für Mut ist. Meist erinnern uns auch erst extreme Notsituationen daran, dass „Rücksicht“, das „Achtgeben auf den Mitmenschen“, nicht einfach eine Verpflichtung ist, weil es der Herr Pfarrer sagt oder weil es im Gesetzbuch steht, sondern eine existenzielle Notwendigkeit. Das Meer schärft nicht nur die Sinne sondern auch das Denken. Denn außer der „Rücksicht“ flößt es auch vielen anderen Worten (wie z.B. Freiheit, Mitleid, Sehnsucht und Heimat), die im verplanten und durchorganisierten Alltag zu Floskeln verkommen sind, wieder wesentliche Bedeutung ein.

Und angesichts dieser unermesslichen Größe und Tiefe der Ungewissheit ist auch das menschliche Scheitern keine Niederlage aus Schwäche sondern ganz natürliche Wahrscheinlichkeit. Von all dem erzählen die „Lieder vom Meer”. Lieder voller Hingabe, Schmerz und Liebe, Sehnsucht und Lebenskraft, die sehr oft gerade durch ihre surrealistische Ausdrucksform so gnadenlos existenzialistisch sind. Nur mit Stimme und Gitarre interpretiere ich Lieder von Nikos Kavvadias, Thanos Mikroutsikos, Dionyssis Savvopoulos, Dimitris Zervoudakis, Nikos Papazoglou, Dionyssis Tsaknis, Manos Loizos, Vasilis Papakonstantinou, Mikis Theodorakis u.a».

Anm. d. Verf.: Genau diese Einstellung finde ich erstaunlich, wobei man das Erweitern der Horizonten, das bewusste Eintauchen in eine Kultur in der Praxis setzt; wie die Vertrautheit nicht von der Stammumgebung bestimmt wird sondern von einer kontinuierlichen Wechselwirkung mit der Welt, gegenüber der man komplett offen ist.

Schließlich ist das Üblichste jeder seine eigene Tradition in aller Sicherheit zu bewahren. Trotzdem verleihen immer eine andere Perspektive und all das was sie mitbringt einem noch hochwertigen Gefühl und sowohl die Botschaft als auch der Vermittler gewinnen an Wert!

Felix Leopold

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Über den Autor

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Die erste Wahlverwandtschaft entschied über den Ehrgeiz, die zweite über den Lesestoff und die dritte über den Blick auf die Welt. Denen wird sowohl das Leben als auch das Wohlleben geschuldet. Athen: geboren/aufgewachsen/studiert/arbeitend. Köln: gelebt/studiert. Deutsch: Berufssprache. Texte: schreiben/lesen/lektorieren. Natürlich gibt es mehr Zahlen, Orte, Fakten, Firmen.

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